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Sangesfreude trägt über alle Krisen

Sangesfreude trägt über alle Krisen

Mit einem musikalischen Festabend am Samstag, 15. September, feiert der Gesangverein Germania Schleißheim sein 125jähriges Bestehen. Eine Festschrift, die derzeit im Ort verteilt wird, stimmt schon auf das seltene Jubiläum ein.
1887 ist das unstrittige Gründungsjahr – zum Gründungsdatum aber gibt es schon zwei Lesarten. Im erhaltenen Cassa-Buch 1901 bis 1937 steht der Juni `87 als Beginn des Vereinsgeschehens, bei Recherchen zur anstehenden Jubiläumsfeier 1926 habe man dann aber ermittelt, dass keine Mitgliedschaft vor dem 1. Oktober 1987 begonnen habe. Zwölf Sänger sollen den „Männergesangverein Germania Schleißheim“ jedenfalls begründet haben.
Ebenso unklar wie die Gründungsumstände ist es, warum der Verein vor der Jahrhundertwende wieder einging. 1901 vollziehen neuen Sänger die erste Reanimation, indem sie stehend feierlich geloben, „dem deutschen Gesang in Schleißheim zu neuer Blüthe zu verhelfen“. Die Proben werden zunächst montags abgehalten, nach wenigen Monaten auf Dienstag verlegt, da, so das Protokoll von 1902, „viele Mitglieder, der Vorstand an der Spitze, an den Montagen sehr defekt und montägig sind“.
An der Ernsthaftigkeit des Sangeswesens ist jedoch nicht zu zweifeln, unter anderem beschließt die Mitgliederversammlung, Vereinsmitglieder zu bestrafen, die außerhalb der Gesangsprobe Lieder singen, die zum Vereinsrepertoire gehören. Als 1903 ein taugliches Klavier beschafft werden soll, gibt der Verein Anteilscheine heraus und erwirbt so das Instrument quasi auf Aktien.
Die Sängerrunde begleitet nahezu alle Feiern und Ereignisse in Oberschleißheim musikalisch bis hin zur Eröffnungsfeier des königlichen Flugplatzes 1912 und unternimmt immer wieder Ausflüge zu befreundeten Vereinen oder Sangestreffen. Der Weltkrieg 1914 bringt dem Verein die zweite Zäsur in der Historie, die nach Kriegsende 1919 aber unmittelbar in die „goldenen Zwanziger“ führt, die agilste Zeit. Unter anderem führt der Gesangverein hier seine Faschingsbälle ein, die nachgerade legendär werden.
Unter nationalsozialistischer Ägide erlebt der Verein lange vor Kriegsausbruch seine nächste Krise. „Die einheimischen Bürgersöhne haben kein Interesse für das Deutsche Lied“, giftet ein Protokolleintrag jener Jahre. Dirigent Josef Mertl erhält zwar von seinem Flakregiment bis 1937 jeden Mittwoch „Urlaub zum Dirigieren“, doch der Verein löst sich allmählich erneut auf.
Erst 1949 folgt der nächste Anlauf, bei der Weihnachtsfeier des FC Phönis singt der Chor erstmals wieder. In den 1950er Jahren dann erreichen der Chorgesang und das Vereinsleben nochmal Höhen und Popularität wie zwischen den Kriegen. Über 40 aktive Sangesbrüder bilden Rekordbesuche bei den Proben. 1958 wird eine eigene Vereinsfahne geweiht.
Allmählich aber setzten andere Trends und moderne Freizeitvergnügen dem organisierten Sangeswesen zu. 1964 singt der Verein in der neu hochgezogenen Parksiedlung, um dort neue Mitglieder zu werben. „Der Beifall von den Balkonen ist groß“, vermerkt die Chronik, „aber kein Sangeswilliger meldet sich.“ Proben werden abgebrochen, wenn spannende Krimis im Fernsehen zu sehen sind.
Trotz aller Widrigkeiten bleibt der Verein aktiv. 1979 beschließt die Hauptversammlung, als einheitliches Erscheinungsbild weinrote Schleifchen zu tragen. Das 100jährige wird 1987 im jungen Bürgerzentrum groß gefeiert. Eine Chorreise nach Südafrika zu einem Musikantentreffen im gleichen Jahr gehört zu den Höhepunkten in der Vereinsgeschichte.
In den 1990er Jahren ließ die Bereitschaft, in einem Männerchor zu singen, dann aber „lebensbedrohend“ nach. Der Verein wandelte sich und installierte unter Leitung von Gertraud Leibhard 1998 einen Gemischten Chor. Was zart begonnen hatte, als die langjährige Klavierbegleiterin Gerda Baumgartner 1971 zur Vereinskassierin gewählt worden war, gipfelte nach dieser Öffnung schließlich 2008 in einer Umbenennung der „Germania“ zum geschlechtsneutralen „Gesangverein“.
In seiner Ausrichtung versucht der Chor, auch jugendlicher zu werden. 2010 wurde die damals 28jährige Lusi Yang Chorleiterin, in ihrer Nachfolge nun Elena Bedtke (25). Aktuell zählt der Verein 72 Mitglieder, davon 39 aktive Sänger, also nahezu der Höchststand der 125jährigen Geschichte.


02.09.2012    |    Ihre Meinung dazu...    |    nach oben    |    zurück

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