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Wie lange gibt es die online-Zeitung noch?

Wie lange gibt es die online-Zeitung noch?

Du bist ja in letzter Zeit in allen Spalten der schleissheimer-zeitung.de sehr präsent. Steht's denn finanziell so schlimm um die Zeitung?
 
Nun, ich bin nur ein Sparschwein, keine Bank, insofern muss der Staat mich noch nicht retten... Aber ernsthaft ist es so, dass in der schleissheimer-zeitung.de Aufwand und Ertrag einfach in keinem Verhältnis zueinander stehen. Sechs Jahre besteht diese online-Zeitung nun quasi ehrenamtlich, der finanzielle Erlös ist steuerlich eher als Aufwandsentschädigung zu veranschlagen denn als Gewinn... Und das ist als Geschäftsmodell keine sonderlich tragfähige Basis. Die schleissheimer-zeitung.de ist ja keine Suchmaschine, die Texte über Oberschleißheim nach Sortierschema ausspuckt, sondern ein redaktionell betreutes und gestaltetes Medium, in dem jeder Beitrag bearbeitet und teilweise selbst recherchiert und erstellt ist.
 
Jede Zeitung finanziert sich über Werbeanzeigen von Betrieben und Verkaufserlösen. Wieso funktioniert das bei der online-Zeitung nicht?
 
Über Werbeerlöse kann sich die schleissheimer-zeitung.de rein strukturell nicht finanzieren. Es kann kein Leser und kein Inserent wollen, dass die Zeitung mit Werbung so vollgepflastert wird, dass sie nicht mehr attraktiv zu lesen ist. Und mit dieser Selbstbeschränkung auf ein verträgliches Maß würde selbst eine maximale Buchung von Werbeplatz nicht ausreichen, um befriedigende Erlöse einzubringen. Außerdem ist es das alte Spiel: wir erwarten, dass die örtlichen Betriebe die online-Zeitung finanzieren, so wie wir das auch bei den Trikots der Sportvereine erwarten und bei den Blättern der Parteien und den Festschriften der Vereine und und und - und zur Belohnung kaufen wir dann bei den großen Markt-Ketten ein, die für alle diese Anliegen keinen Cent übrig haben.
 
...und eine Lesegebühr, also ein kostenpflichtiger Zugang?
 
Das lehne ich kategorisch ab. Es gibt eine kurze, platte Erklärung: weil's dann keiner mehr lesen würde. Und es gibt einen gedanklichen Überbau mit viel Gedöns dahinter: Eine online-Zeitung für das lokale Geschehen eines Ortes ist derartig wichtig für bürgerschaftliches Engagement, für demokratische Willensbildung und schlicht für die Tages- und Freizeitgestaltung, dass dies für alle zugänglich sein sollte und nicht wieder nur über den Geldbeutel erschließbar. Diese Wertung gilt selbstverständlich auch für jede gedruckte lokale Tageszeitung - bloss sollte man hier konkret in Oberschleißheim mal kritisch vergleichen, was die beiden Tageszeitungen hier aus dem Ort bieten und selbstverständlich Abo-Gebühren dafür verlangen, und was die online-Zeitung gratis. Jeder Verein und jede Partei, jeder Gemeinderat und jeder, der ein Problem mit dem Rathaus hat, kann sich ja mal ausmalen, wenn es die online-Zeitung nicht mehr gäbe, wie viel er dann noch über seine Anliegen lesen könnte... Wie viel man im Büro oder im Urlaub über Oberschleißheim erführe, an Feiertagen... Wie man dann zum Nachblättern an ältere Berichte käme... Wie man dann Freunde, Bekannte, Verwandte, Vereinskameraden auf Berichte aufmerksam machen könnte...
 
Wie wird das Angebot eines freiwilligen Beitrags angenommen?
 
Nun ja... Das Konto bei der Raiffeisenbank kann den Andrang noch bewältigen... Von dem Aufruf, freiwillig einen selbst gewählten Beitrag zu leisten, haben sich etwas weniger als ein Prozent der geschätzten regelmäßigen Nutzer angesprochen gefühlt. Deren Beiträge - vielen herzlichen Dank dafür! - summieren sich bislang hochgerechnet auf ein monatliches Ergebnis von knapp 50 Euro im Schnitt.
 
Das heißt, es war ein Fehlschlag?
 
Nein, keinesfalls! Ich möchte weiter ganz dringlich dafür werben. Wo gibt es das denn sonst, dass man ein Angebot mit Qualitätsanspruch gratis nutzen und eine Anerkennungsgebühr freiwillig festlegen kann? Jeder kann eine erbrachte Leistung, die er offenbar gerne nutzt, nach Zuschnitt seines Geldbeutels und seiner Laune bezahlen, wann, wie hoch und wie oft er will. Jeder kann mit winzigen Beträgen den vorher erläuterten theoretischen Überbau unterstützen und so das weithin einmalige Angebot für den Ort aufrecht erhalten helfen und damit auch die kostenlose Nutzung für die ermöglichen, die es sich nicht so locker leisten können.
 
Warum finanziert die Gemeinde die online-Zeitung nicht?
 
Ich befürchte ja, dass die meisten Leser meinen, die schleissheimer-zeitung.de sei überhaupt ein Angebot der Gemeinde und würde auch vom Rathaus bezahlt... Aber das ist es gerade nicht. Ein Qualitätsanspruch der online-Zeitung besteht ja gerade darin, dass sie unabhängig ist und weder ein Vereinsblattl noch ein Anzeigenportal noch eben ein amtliches Verlautbarungsorgan der Gemeinde. So manches Texterl, das hier zum Beispiel über Gemeinderatssitzungen steht, könnte sich ein Gemeindeorgan auch nicht erlauben... Ich möchte betonen, dass dies so gewollt und selbstgewählt ist! Bürgermeisterin Ziegler, durchweg jede einzelne Gruppierung im Gemeinderat und einzelne Gemeinderäte persönlich unterstützen die online-Zeitung sehr, sowohl ideell als auch konkret finanziell. Wenn jeder für die Zeitung so viel übrig hätte wie Ziegler und ihr Gemeinderat, hätte ich keine Sorgen. Die Gemeinde hat die Zeitung etwa auf ihre Homepage verlinkt und bietet sie im Internet-Terminal im Bürgerzentrum an, was ich wahnsinnig toll finde. Die Unterstützung durch die Gemeinde könnte besser nicht sein, außer, wenn sie die online-Zeitung direkt finanzieren würde - aber das ist nicht der Plan. Nur wenn es finanziell nicht dauerhaft besser läuft, wird wohl auch hier der letzte Schritt sein müssen, die öffentliche Hand anzubetteln, wie es ja alle meine großen Kollegen vormachen. Daher auch hier nochmal der Schwenk: auch diese Unabhängigkeit läßt sich durch einen freiwilligen Obolus unterstützen...
 
Eingestellt wird die schleissheimer-zeitung.de also noch nicht...?
 
Ich bin ja das Sparschwein, folglich muss ich über Geld reden. Aber die Zeitung macht schon auch narrisch Spass, und drum wird sie es vorerst weiter geben. Und mit etwas Unterstützung derjenigen, die sie gerne lesen, von mir aus noch ziemlich lange...


28.12.2010    |    Ihre Meinung dazu...    |    nach oben    |    zurück

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